
Das soziale Gewissen der Medizin
Markus Frei
Unsere Vision
Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen in bestmöglicher Gesundheit, in Würde und selbstbestimmt leben können.
Zahlungsverbindungen
Postkonto: 60-1433-9
IBAN: CH09 0900 0000 6000 1433 9
BIC: POFICHBEXXX
Sie können Ihre Spenden von den Steuern abziehen.
Schweizerische Steuerbefreiungsnummer: CH-100.6.797.446-9
Mit Herz, Disziplin und unermüdlichem Lernwillen hat Mats’eliso Setoko die HIV/Aids-Bekämpfung in Lesotho mitgeprägt. Von Hausbesuchen in entlegenen Dörfern bis zum Studium in Europa – ihr Weg steht für Engagement, Mut und die nachhaltige Wirkung von SolidarMed in Seboche.
Mats’eliso Setoko wurde 1989 in der Region Botha-Bothe in Lesotho geboren. Schon früh hegte sie den Wunsch, Krankenschwester zu werden, sich für andere Menschen einzusetzen. «Ich helfe gerne anderen Menschen. Die Sorge um meine eigene Person ist dem immer nachgelagert», sagt sie.
Doch Mats’eliso Setoko ist auch empfänglich für die Hilfe und die Unterstützung anderer: 2009 hatte sie ihr Diplom als Krankenschwester in der Tasche und begann im HIV/Aids-Programm für SolidarMed zu arbeiten. Dabei ist ihr ein Schweizer Arzt aufgefallen, dem sie bis heute die grösste Wertschätzung entgegenbringt: Niklaus Labhardt. Wenn Mats’eliso von Niklaus Labhardt spricht, dann tut sie dies mit lauter Stimme, als wollte sie das ganze Land an ihrer Lobeshymne teilhaben lassen.
Jemandem sanft, aber bestimmt die traurige Realität vor Augen zu führen, war auch eine Fähigkeit, die ich während meines Studiums erworben habe
Mats’eliso Setoko, Pflegefachkraft in Lesotho
Zusammen mit Niklaus Labhardt machte sie Hausbesuche. Sie gingen von Haus zu Haus, vergewisserten sich, dass es den Patient:innen gut ging, sie ihre Medikamente auch wirklich einnahmen. Wenn ein Patient Feuerholz brauchte, so waren sie sich nicht zu schade, dieses in kleine Stücke zu hacken. Wenn jemand Wasser forderte, dann schafften sie dieses herbei.
‹Lernen› war auch das Schlüsselwort, das Mats’eliso Setoko selbst charakterisierte. Wissbegierig studierte sie die Ursachen von HIV/Aids, die Verbreitung der Krankheit und die Möglichkeiten der Therapie in Lesotho. Vieles dabei war learning on the job, erworben im direkten Kontakt mit ihren Patientinnen und Patienten. Als eine grosse Quelle der Inspiration diente ihr ein weiterer Arzt aus der Schweiz: Fabrizio Verga, mit dem sie seit 2003 zusammenarbeitete. «Fabrizio zeichnete sich durch ein grosses psychologisches Feingefühl im Umgang mit den HIV/Aids-Patient:innen aus», erinnert sich Mats’eliso Setoko.
2005 ermöglichte SolidarMed der Krankenschwester ein Studium in Europa. Belgien wurde für kurze Zeit ihre neue Heimat. Sie vertiefte ihre Kenntnisse im HIV-Management. «Im Ausland zu studieren, fühlte sich an, als würde ich mein Heimatland Lesotho vertreten», sagt sie stolz.

Doch das Studium in Europa hatte seine Tücken. Es war das erste Mal, dass sie sich mit anderen Gesundheitsexpertinnen und -experten verglich und auf freundschaftliche Art wetteiferte. Ihre Computerkenntnisse waren sehr bescheiden, und immer wieder beschlich sie das Gefühl, den anderen in diesem Bereich hinterherzuhinken. Das Resultat: zusätzliche Arbeitsstunden, um mit ihren neuen Kolleginnen und Kollegen Schritt zu halten.
Was SolidarMed in den letzten Jahrzehnten, in denen die Organisation vor allem hier in Seboche aktiv war, geleistet hat, übersteigt alles, was wir alleine hätten tun können
Mats’eliso Setoko, Pflegefachkraft in Lesotho
Nach dem Studium kehrte sie nach Lesotho zurück und widmete ihr ganzes Arbeitsleben dem Aufbau der HIV/Aids-Programme und der Mutter-und-Kind-Gesundheit in Lesotho. Sie betreute die HIV-Aktivitäten in 15 Dörfern in der Region, organisierte Aufklärungskampagnen, sorgte für eine frühe Diagnose und für den Zugang der Betroffenen zur antiretroviralen Therapie. Dabei war ihr die Betreuung der Kinder besonders wichtig. Die Offenheit der Jüngsten stand oft im Gegensatz zu der «Sturheit» älterer Patienten, wie sie sich ausdrückt. «Jemandem sanft, aber bestimmt die traurige Realität vor Augen zu führen, war auch eine Fähigkeit, die ich während meines Studiums erworben habe», sagt sie.

Heute nehmen viele Patient:innen weite Wege auf sich, um sich in Seboche behandeln zu lassen. . «Dank der Ausbildung Mats'elisos durch SolidarMed haben wir das Seboche-Krankenhaus zu einem der vertrauenswürdigsten Krankenhäuser des Landes gemacht.» sagt Mats’elisos Vorgesetzte Mohlaba. Und auch Mats'eliso Setoko selbst sieht ihre Leistungen stets im Spiegel der einstigen Präsenz von SolidarMed in Seboche:
«Ich bin stolz auf meine Kultur und Tradition sowie auf meine Selbstständigkeit. Aber was SolidarMed in den letzten Jahrzehnten, in denen die Organisation vor allem hier in Seboche aktiv war, geleistet hat, übersteigt alles, was wir alleine hätten tun können», sagt sie.
Seit dem Gründungsjahr 1926 prägen Menschen mit Engagement und Mut die Geschichte von SolidarMed. In dieser Porträtreihe beleuchten wir Persönlichkeiten, deren Einsatz die Entwicklung von SolidarMed und die Gesundheitsversorgung in Afrika nachhaltig geprägt hat.
Dieses Portrait ist ein Auszug aus einer Reihe von historischen Zeitzeugnissen, welche im Auftrag von SolidarMed von Marcel Dreier und Lukas Meier aufbereitet wurden. Die vollständige Arbeit der beiden Historiker ist als Buchband erhältlich.