
Auf dem verschlungenen Pfad der Gleichstellung
Marie-Thérèse und Josef Jeker
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Vor 65 Jahren im Zaka-Distrikt geboren, wurde Schwester Euphrasia Gwanyanya zur Schlüsselfigur im Kampf gegen HIV/AIDS im ländlichen Simbabwe. Als Patientin dem Tod nahe, als Pflegefachfrau Pionierin: Ihre Lebensgeschichte ist untrennbar mit der Arbeit von SolidarMed und der Hoffnung für Tausende Betroffene verbunden.
Geboren und aufgewachsen im Zaka-Distrikt vor 65 Jahren, verkörpert Schwester Gwanyanya die unglaubliche Geschichte der HIV/AIDS-Arbeit der Schweizer NGO SolidarMed in dieser Ecke von Simbabwe. Ihre von Katholiken geführte Primarschule, die St. Antony’s Primary School, befand sich nur einen Steinwurf von dem Musiso-Krankenhaus entfernt. Bereits nach Abschluss der 2. Klasse wurde sie gezwungen, den Unterricht abzubrechen.
Doch Euphrasia hatte Glück. Die Schwestern der St. Antony’s Mission verhalfen ihr zu einer Anstellung als Hilfskraft im Musiso-Krankenhaus. Dann bewarb sie sich erfolgreich für das interne Ausbildungsprogramm für Krankenschwester-Helferinnen. Dieses wurde vor der Unabhängigkeit Simbabwes ohne Zertifikat angeboten. Das Management des Musiso-Krankenhauses verhandelte 1981 mit der Regierung über die offizielle Anerkennung des Ausbildungsprogramms. Euphrasia Gwanyanya und ihre Kolleginnen fuhren nach Harare und legten die Prüfung zur medizinischen Assistentin ab. Später kamen Weiterbildungen zur Hebamme, zur Anästhesie-Schwester und schliesslich zur allgemeinen Krankenschwester hinzu.
Ohne SolidarMed wäre ich nicht mehr hier
Schwester Euphrasia Gwanyanya, Krankenpflegerin in Simbabwe
Gerade ihre Fähigkeit, die Patientinnen vor einer Operation in einen gesegneten Schlaf zu versetzen, war in Musiso sehr gefragt. Euphrasia Gwanyanya war die einzige Anästhesistin in einem ländlichen Spital. Sie spielte eine Schlüsselrolle in der regen Operationstätigkeit des Spitals. Und kam in diesem engen Geviert zwangsläufig in regen Kontakt mit Schweizer Ärztinnen und Ärzten. Mit über 30 Schweizer Doktoren habe sie während ihrer langen Karriere zusammengearbeitet, erzählt sie stolz.
Doch die Beziehung zu Schweizer Ärztinnen und Ärzten vertiefte sich in dem Moment, als Euphrasia Gwanyanya auf der Schwelle zum Tod stand: 2004 starb ihr Mann an Aids. Und auch bei ihr wurde das tödliche Virus diagnostiziert. «Es waren Christian Seelhofer und insbesondere auch Renate Albrecht, die mir in diesen dunklen Stunden beistanden, mich über HIV/Aids aufklärten und mir rieten, ins Therapieprogramm von SolidarMed einzusteigen», sagt sie.

Und in der Tat verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand von Tag zu Tag. Auf Anraten der Schweizer Ärzte entschloss sie sich, ein Therapieprogramm in der von Ruedi Lüthy unterstützten Newlands Clinic in Harare zu starten. Die enge medizinische Betreuung übernahm Christian Seelhofer. «Die Behandlung in Harare hat mir das Leben gerettet», sagt Schwester Gwanyanya., «Ohne SolidarMed wäre ich nicht mehr hier».
Nach ihrer vollständigen Genesung nutzte Schwester Gwanyanya ihre eigenen Erfahrungen, um sich für den Kampf gegen die HIV-Epidemie einzusetzen. Sie gehörte zu den ersten Gesundheitsfachkräften, die im HIV/AIDS-Management geschult wurden, als SolidarMed im Jahr 2005 das Programm einleitete.
Je breiter meine Lebensgeschichte publik wurde, desto stärker wurde ich zu einem Parade-Beispiel für jemanden, der dem Tod ein Schnippchen geschlagen hat
Schwester Euphrasia Gwanyanya, Krankenpflegerin in Simbabwe
Als Schwester Gwanyanya über ihre eigene Krankheitsgeschichte öffentlich zu sprechen begann, meldeten sich auch die Mitarbeitenden von SolidarMed mit der Bitte, ihre Genesungsgeschichte in Zeitschriften und auf der Website zu publizieren. «Je breiter meine Lebensgeschichte publik wurde, desto stärker wurde ich zu einem Parade-Beispiel für jemanden, der dem Tod ein Schnippchen geschlagen hat, der allen HIV-positiven Menschen einen Weg aufzeigen konnte, die Vorurteile und Ängste vor den Medikamenten und den sozialen Konsequenzen einer Diagnose abzubauen», sagt sie.
Die Pionierarbeit von SolidarMed in der HIV-Kontrolle im ländlichen Simbabwe verfehlte ihre Wirkung nicht. «SolidarMed half, unsere Wissenslücken zu stopfen», sagt Euphrasia Gwanyanya. SolidarMed schulte das Gesundheitspersonal, das dann seinerseits ins ländliche Simbabwe ausschwärmte, um die von der Krankheit betroffene Bevölkerung über das verheerende Virus aufzuklären. In der Folge begannen die ländlichen Gesundheitszentren, die Patient:innen selbstständig zu behandeln.
«Die HIV-Behandlung hat sich seither merklich verbessert», sagt Gwanyanya. Doch im gleichen Atemzug fügt sie an, dass das Modell der HIV-Kontrolle leider nicht konsequent auch auf andere nicht übertragbare Krankheiten ausgedehnt wurde: Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislauf-Erkrankungen. Diese auch im ländlichen Simbabwe um sich greifenden Leiden machen derzeit den Schwerpunkt der Arbeit von SolidarMed in der Provinz Masvingo aus. «SolidarMed investiert stark in die Diagnostik, aber leider gibt es im Programm zur Bekämpfung von nicht übertragbaren Krankheiten keine nachhaltige Versorgung mit Medikamenten, wie wir dies bei HIV/Aids gesehen haben», beklagt Gwanyanya.
Seit dem Gründungsjahr 1926 prägen Menschen mit Engagement und Mut die Geschichte von SolidarMed. In dieser Porträtreihe beleuchten wir Persönlichkeiten, deren Einsatz die Entwicklung von SolidarMed und die Gesundheitsversorgung in Afrika nachhaltig geprägt hat.
Dieses Portrait ist ein Auszug aus einer Reihe von historischen Zeitzeugnissen, welche im Auftrag von SolidarMed von Marcel Dreier und Lukas Meier aufbereitet wurden. Die vollständige Arbeit der beiden Historiker ist als Buchband erhältlich.