
Opfer der «Tansanisierung»
Kafuruki Shubis und Dominik Mboya
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Als junger Arzt folgte Edgar Widmer dem Ruf nach Afrika – und wurde zu einer prägenden Figur der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Zwischen Ifakara und der Schweiz prägte er Jahrzehnte lang SolidarMed, baute Netzwerke auf und kämpfte für eine Medizin, die Menschen weltweit wirklich erreicht.
Edgar Widmer war 16 Jahre lang Vize-Präsident von SolidarMed und in dieser Funktion unterwegs zwischen Welten und Menschen. Er studierte Medizin an den Universitäten Fribourg, Wien und Basel. 1960 legte er sein Staatsexamen ab und arbeitete anschliessend im Kantonsspital Luzern in den Bereichen Chirurgie und Anästhesie. Doch die Welt rief – und so brach der junge Arzt wenige Jahre später ins gerade erst unabhängig gewordene Tanganyika auf, das kurz darauf den Namen Tansania tragen sollte.
Edgar Widmer arbeitete fast drei Jahre lang als Assistenzarzt am St. Francis Hospital in Ifakara. Die Zeit in Ifakara legte den Grundstein für Widmers spätere Rolle als Netzwerker und Impulsgeber in der Schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit.
Studer hatte nur wenig Ahnung von Entwicklungszusammenarbeit und er wollte mich dabeihaben, weil ich eben gerade aus Afrika zurückgekommen war
Edgar Widmer, ehemaliger Vize-Präsident von SolidarMed
1965 kehrte Widmer in die Schweiz zurück. Nur ein Jahr später, 1966, übernahm der Entlebucher Arzt Hans Studer das SolidarMed-Präsidium. «Studer hatte nur wenig Ahnung von Entwicklungszusammenarbeit», erinnert sich Widmer, «und er wollte mich dabeihaben, weil ich eben gerade aus Afrika zurückgekommen war». So wurde Edgar Widmer, damals Mitte 30, Teil einer neuen Generation von Führungspersönlichkeiten innerhalb von SolidarMed.

Als Vizepräsident von SolidarMed sorgte er dafür, dass eine Schweizer Sektion von Medicus Mundi entstand. 1969 trat SolidarMed Medicus Mundi Internationalis bei. Dies erlaubte Edgar Widmer – im Auftrag von SolidarMed – die Gründung von Medicus Mundi Schweiz (MMS) zu initiieren. Er wurde zum Präsidenten dieser Sektion, und später übernahm Widmer auch das Präsidium von Medicus Mundi Internationalis.
Edgar Widmer erkannte, dass die Vorbereitung auf Auslandseinsätze stärker auf Public Health-Aspekte ausgerichtet werden musste. Die Botschaft von der Medizin in Entwicklungsländern verbreitete sich, und mit ihr wuchs ein Netzwerk von Ärzt:innen, die bereit waren, ihr Wissen in den Dienst der globalen Gesundheit zu stellen.
1977/78 konnte SolidarMed erreichen, dass die DEZA eine Evaluation des Spitals von Ifakara durchführte. Das legte den Grundstein für eine langjährige Zusammenarbeit zwischen SolidarMed und der DEZA in Tansania – und machte SolidarMed zum Projektträger für den Ausbau von Gesundheitsinstitutionen.
Politiker und Kirchenleute zeigten sich jedoch lieber im Glanz eines grossen Spitals als vor einem einfachen Gesundheitszentrum.
Edgar Widmer, ehemaliger Vize-Präsident von SolidarMed
Edgar Widmer befand sich mitten in der programmatischen Zeitenwende von der missionarischen Spitzenmedizin hin zur Medizin für Entwicklungsländer. Diese Erfahrungen bildeten die Grundlage für eine basismedizinische Revolution, die – ähnlich wie heute die UN-Nachhaltigkeitsziele – nicht nur für Länder des globalen Südens relevant sein wollte.
In der Schweiz brachten Widmer, Ebner, (Übernehmer des SolidarMed-Präsidiums), Otto Studer (damals FMH-Präsident), die DEZA-Gesundheitsexpertin Immita Cornaz, einige Kantonsärzte und die Leiterin der Schweizerischen Pflegevereinigung Primary Health Care auf die politische Agenda.

Dennoch schlug die Gesundheitspolitik in der Schweiz andere Wege ein. dieAuch im globalen Süden hatte PHC keinen einfachen Stand. «Eigentlich war das PHC-Konzept revolutionär. Politiker und Kirchenleute zeigten sich jedoch lieber im Glanz eines grossen Spitals als vor einem einfachen Gesundheitszentrum.»
Ebner und Widmer setzten neue Themen in der Medizin und veränderten die Arbeitsweise von Solidarmed grundlegend. Medikamente wurden nicht mehr planlos nach Afrika verschickt, finanzielle Unterstützung nicht mehr ohne entwicklungspolitische Einordnung zugesagt. SolidarMed sah sich in der Verantwortung, in der Ärzteschaft ein entwicklungspolitisches Verständnis zu wecken und fachliches Wissen zur Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz beizutragen.
Widmers unermüdliches Engagement und seine Reisen schufen ein neues Netzwerk, von dem auch SolidarMed profitierte. Sein Einsatz galt einer Medizin, die nicht dem Kommerz, sondern der Heilung verpflichtet war. Eine Sammlung seiner Vorträge und Publikationen veröffentlichte Widmer unter dem Titel Fürsprecher für Gesundheit für Alle.
Seit dem Gründungsjahr 1926 prägen Menschen mit Engagement und Mut die Geschichte von SolidarMed. In dieser Porträtreihe beleuchten wir Persönlichkeiten, deren Einsatz die Entwicklung von SolidarMed und die Gesundheitsversorgung in Afrika nachhaltig geprägt hat.
Dieses Portrait ist ein Auszug aus einer Reihe von historischen Zeitzeugnissen, welche im Auftrag von SolidarMed von Marcel Dreier und Lukas Meier aufbereitet wurden. Die vollständige Arbeit der beiden Historiker ist als Buchband erhältlich.