
Auf dem verschlungenen Pfad der Gleichstellung
Marie-Thérèse und Josef Jeker
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Als Ordensschwester, Krankenschwester und Managerin hatte sie es nie lange hinter einem Schreibtisch ausgehalten. Sie versorgte Patient:innen und scheute sich als Krankenschwester nicht davor, zuweilen selbst zum Seziermesser zu greifen und betreute den Nachwuchs von Pflegeschulen. Schwester Annunciata erwies sich über die Jahre aber vor allem auch als unentbehrlich für SolidarMed und die Schweizer Ärzt:innen: Sie war Schutzengel, Zufluchtsort und kulturelle «Brückenbauerin».
«Ich war jung, voller Energie und Tatendrang», sagt die heute 90-jährige. Dabei konnte sie sich zu Beginn nicht einmal mit ihren Patient:innen in der gleichen Sprache unterhalten. Denn Schwester Annunciata ist keine gebürtige Basotho. Sie stammt aus einer kleinen Minenstadt in Südafrika. Vielleicht war es auch ihr eigenes Fremdsein in Lesotho, das es ihr ermöglichte, eine tragende Rolle als Vermittlerin für die Schweizer SolidarMed-Ärzte zu übernehmen.
Das Pferd war das effektivste und weit verbreitete Transportmittel in Lesotho
Mary Annunciata, Krankenschwester in Lesotho
Als Schwester Annunciata 1953 ihre medizinische Ausbildung begann, herrschte in Südafrika eine strikte Apartheidspolitik. 1961 kam sie im Auftrag ihrer Kongregation nach Lesotho, wo sie auf eine Schweizer Ärztin traf: Bertha Hardegger.
Sie nahm ihre Arbeit im Spital von MaMohau auf. Dort fehlte es an allen Ecken und Enden: An Spritzen und Skalpellen, an Essen, an Mitarbeitenden. Zusammen mit Bertha Hardegger (siehe Bild) begann sie mit der Behandlung der Menschen zu Hause.
Oft unternahmen sie zusammen mehrtägige Reisen im Pferdesattel, um Patient:innen in ihren bescheidenen Hütten zu besuchen. Schwester Annunciata durfte ebenfalls Gebrechen behandeln, bei komplizierten Fällen konnte sie auf die Hilfe der ausgebildeten Medizinerin Bertha Hardegger zählen.

Viele Menschen haben uns ihr Leben anvertraut, und wir haben trotz dieses Drucks durchgehalten und gute Arbeit in unserer Region geleistet.
Mary Annunciata, Krankenschwester in Lesotho
Lesothos Landschaft ist unendlich weit, zerklüftet und steil. Die Patient:innen lebten oft mehrere Tagesreisen vom nächsten Gesundheitszentrum entfernt. «Das Pferd war das effektivste und weit verbreitete Transportmittel in Lesotho», sagt Schwester Annunciata. Mussten sich schwerkranke Patient:innen in Spitalobhut begeben, wurde die Reise auf dem Rücken eines Pferdes, oder in den seltenen Fällen mit dem Pferdewagen, herausfordernd.

«Wir hatten unsere Probleme im MaMohau-Spital, aber diese Probleme waren nichts angesichts unserer Leidenschaft und unseren Eifer, den Basotho zu helfen», sagt Schwester Annunciata und ergänzt: «Viele Menschen haben uns ihr Leben anvertraut, und wir haben trotz dieses Drucks durchgehalten und gute Arbeit in unserer Region geleistet.»
Es war schwierig, manchmal sogar unmöglich, medizinisches Material zu beschaffen.
Mary Annunciata, Krankenschwester in Lesotho
In den 1960er Jahren schlüpft Mary Annunciata in die Rolle einer Oberschwester im Paray-Spital bei Thaba Tseka. Von den Hauptverkehrsachsen abgeschnitten, bestand das Spital lange Zeit aus nichts als einzelnen wenigen Gebäuden. «Es war schwierig, manchmal sogar unmöglich, medizinisches Material zu beschaffen.»
Schwester Annunciata wurde 1977 zur Rektorin und Oberlehrerin der neu gebauten Krankenpflegeschule Paray ernannt. Mit dem Spital und der Schule musste sie zwei unterschiedliche Tätigkeiten unter einen Hut bringen.
Über 40 Jahre lang arbeitete sie im Gesundheitswesen in Lesotho. In ihren letzten Berufsjahren trug sie Verantwortung als Managerin in einem Gesundheitssystem, das unter dem Druck der HIV-Pandemie, dem Mangel an Personal und Ressourcen und der Komplexität der Koordination zwischen privaten und öffentlichen Dienstleistern litt.
Schwester Annunciata arbeitete nie direkt für SolidarMed. Trotzdem profitierte sie von der Anwesenheit und der Zusammenarbeit mit den Schweizer Ärzt:innen. «Meine Zeit mit ihnen ist voller guter Erinnerungen und Lehren,» sagt sie. Und meint: «Die Arbeit von SolidarMed ist unübertroffen und verdient Beifall, denn einige von uns sind heute da, wo sie sind, weil sie uns immer unterstützt haben. Ich bin stolz darauf, ein Teil der Entwicklung des Gesundheitssektors in diesem Land gewesen zu sein.»
Seit dem Gründungsjahr 1926 prägen Menschen mit Engagement und Mut die Geschichte von SolidarMed. In dieser Porträtreihe beleuchten wir Persönlichkeiten, deren Einsatz die Entwicklung von SolidarMed und die Gesundheitsversorgung in Afrika nachhaltig geprägt hat.
Dieses Portrait ist ein Auszug aus einer Reihe von historischen Zeitzeugnissen, welche im Auftrag von SolidarMed von Marcel Dreier und Lukas Meier aufbereitet wurden. Die vollständige Arbeit der beiden Historiker ist als Buchband erhältlich.